Vortrag: Bildung, Wissen und Gelehrsamkeit im Islam

Herr Ademi begann seinen Vortrag mit einer kurzen Beurteilung der heutigen Krise der Muslime. Man übe zu wenig Selbstkritik aus und suche den Fehler bei seinem Gegenüber, welche Eigenschaften des Teufels seien und von der sich die Muslime distanzieren lernen müssten. Er erklärte mit gekonnter Ausgewogenheit zwischen Kompetenz und Humor, dass der IS einen immensen Zulauf habe, weil er auf komplizierte Fragen, einfache Antworten vorlegen könne. Damit entferne sich der IS von der authentischen islamischen Gelehrsamkeit, die auf Bildung, Kultivierung und moralischer Erziehung basiere. Im Islam, so sagt Herr Ademi, sind bei der Deutung von bestimmten Koranstellen durch hochqualifizierte Gelehrten bloß Annäherungen zur Wahrheit möglich. Die absolute Wahrheit liege nur dem Schöpfer des Universums vor. Der IS jedoch beanspruche die vollkommene Wahrheit für sich ohne sich akademisch-theologisch mit der islamischen Tradition auseinanderzusetzen, in der eine hohe Anforderung an Qualität der Bildung verlangt werde.

Die Bescheidenheit sei ein wichtiger Baustein der Gelehrsamkeit im Islam.

Selbst einer der größten Hadithgelehrten der islamischen Geschichte Imam Malik (r.a.), führt Herr Ademi an, scheute sich nicht davor 34 von 40 Fragen mit „Ich weiß es nicht“ zu beantworten. Bildung, Kultivierung und die moralische Erziehung sollen als Komponenten der Gelehrsamkeit das Gleichgewicht zwischen Wissen und Persönlichkeit wahren, um sich der großen Verantwortung des Wissens bewusst zu sein und sich vom materiellen Selbstzweck abzuwenden. Imam Malik (r.a.) unterrichtete einen seiner Schüler über 20 Jahre lang, davon 18 Jahre in Lehren des guten Charakters (Ahlaq) und bloß 2 Jahre islamisches Wissen, wie wir es heute als solches verstehen. Cefli Ademi schlussfolgerte hieraus, dass die Primärmission eines jeden sein sollte, seine Umgangsmoral zu verbessern, um seinen Charakter zu vervollkommnen und Gott näher zu kommen. Am Beispiel der 5 Säulen des Islams stellte er dar, dass diese nicht dem Selbstzweck dienen, sondern als Mittel zum Zweck zu verstehen sind, um sich Gott zu nähern, sich auf wesentliche Dinge im Leben zu konzentrieren, Herzen zusammenzubringen und die Reinheit der Seele wiederherzustellen bzw. zu wahren. Zum Ende hin versuchte Herr Ademi eine take-home-message mitzugeben, indem er aufzeigte, dass

Qualität vom Wort Qual komme und man für die Authentizität, den Umfang und die Wirkung seines Wissens, seine Möglichkeiten an Wissen zu kommen, Tag für Tag ausschöpfen müsse, denn Allah liebe die konstanten Taten.

Man solle sein Bestes geben und Vollkommenheit anstreben.

„Man strebt Perfektion an, erreicht jedoch bloß Exzellenz“

Ein sehr bewegender Vortrag von Herrn Cefli Ademi