7.Seminar: Necip Fazıl Kısakürek

MUSAB Aachen – Seminar vom 14.01.16

Das Thema: Necip Fazil Kisakürek – ein Vortrag von Doz. Dr. Mahmut Hakki Akin

Nach einer kurzen Eröffnung wurde der sehr geehrte Mahmut Hakki Akin Hoca auf die Bühne gebeten. Er hat am Anfang seines Vortrags darauf aufmerksam gemacht, dass er chronologisch das Leben von dem berühmten Schriftsteller Necip Fazil Kisakürek erzählen wird. „Üstad“(Meister), wie Necip Fazil von den Konservativen in Türkei genannt wurde, führte ein Leben im Stil der westlich gesinnten Bevölkerung des Landes. Seine Villa war frankophon und wurde aristokratisch gehalten. Unter anderem wird der Grund dessen im Folgenden dargelegt.

Necip Fazil hat bis zu seinem dreißigsten Lebensjahr eine Ausbildung zum Marinesoldaten abgeschlossen und verschiedene Bildungseinrichtungen besucht. Das wichtigste für ihn war aber, dass er von Anfang an mit einer inneren Krise zu kämpfen hatte. Dies prägte sein restliches Leben. Deswegen war Fazil eine einsame Person, weshalb der Umgang mit ihm vielen schwer fiel. Mit 30 Jahren machte er eine Bekanntschaft mit Scheikh Abdulhakim-i Arvasi. Dieser erweckte in ihm das Interesse für Sufi-Lehren.

In der 40’er Jahren hat Necip Fazil sich entschieden, aktiv etwas für den Islam zu tun. Zu dieser Zeit war es staatlich verboten, „Allah“ zu sagen. Es wurde sogar so extrem, dass man kein Imam mehr fand, um das Gebet für die Toten zu verrichten. 1948 wurde zudem die Pilgerfahrt nach Mekka verboten. Zu solch einer Zeit brachte Necip Fazil die Zeitschrift „Der Große Osten“ heraus, worin er seine heute bekannten Thesen vertritt. Und dies obwohl er zusehen musste, wie sein Freund ermordet und später viele Chefredakteure erhängt wurden. Er hat trotzdem aus eigener Kraft seine Zeitschrift fortgeführt. In der Zeit zwischen 1920 und 1950 wurde der Islam mit einem großen Schnitt von dem Volk getrennt. Für Necip Fazil ist die Einparteiendiktatur von der CHP „Das Projekt, um die Türken und Muslime zu verwestlichen“.

Was war „Der Große Osten“ für eine Zeitschrift? Allein der Name war ein Aufschrei gegen die Verwestlichung, Der Aufruf der Zeitschrift lautete: „Kehrt zu euren Wurzeln zurück, damit ihr was in der Hand habt gegen den Westen“. Somit wurde die Zeitschrift die Stimme der unterdrückten. Das wichtige und andersartige an Fazil war, dass er dem neuen System angehörte und ein hochrangiger Bürokrat war. Er war sich im Klaren, wie riskant sein Handeln war. So lehnte er einen gutbezahlten Job ab, um finanziell unabhängig zu bleiben. Somit war seine Lage finanziell nie gut. Gleichzeitig wurde seine Zeitschrift immer wieder verboten. Sogar als der damalige Premierminister ihn von seiner Sache persönlich abbringen wollte, hat er getrost darauf verzichtet. Die Jugend war für Fazil noch nicht reif genug und so musste er alleine weiter machen.

Die 50’er Jahre waren die Zeit, in der die Türkei nun mit dem ideologischen Laizismus betraut wurde. Necip Fazil prägte mit hochrangigen Politikern wie Präsident und Premier gute Kontakte. Mit seiner Arbeit bekam er in diesem Zeitraum auch den Titel „Üstad“(Meister) von der Bevölkerung. Necip Fazil hatte die nationalistische Bewegung dazu gebracht, die islamischen Werte nicht zu vernachlässigen. Somit verhinderte Fazil die Radikalisierung dieser Bevölkerungsteile.

Rund um die 60’er Jahre ging in der Türkei eine große Übersetzungswelle um, die sich auf politisch-islamische Werke bezog, unter anderem auch die Bücher von Seyyit Kutub waren dabei. Necip Fazil sah diese Entwicklung als zu früh an, er meinte das Volk sollte zu den Werten Anatoliens wiederfinden, bevor sie etwas anderes tun. Der „Islamismus“ bekam ganz andere Ausmaße. Man sagte nun „Was in Pakistan passiert, geht mich auch an!“. Necip Fazil war der Meinung, die muslimische Welt würde auferstehen wenn die Türkei aufersteht. Er setzte sich weiterhin mit nationalen Angelegenheiten auseinander. Die neuen Gruppierungen empfand er noch als unreif. Einzig Necmeddin Erbakan und seine neue Partei war für ihn ein Fortschritt. Er hielt viele Konferenzen vor Schülern und Studenten, wobei er von Stadt zu Stadt weiter zog. Im Herzen des Volkes hatte er unfassbaren Wert.

Die 70’er standen im Licht von Straßengewalt. Während rechte Gruppen und linke Gruppen sich gegenseitig attackierten, befahl Necip Fazil den Studenten, sich nicht auf die Straße zu begeben. Diejenigen, die damals friedlich geblieben sind, bilden heute die Regierung in der Türkei. Necip Fazil redete die Sachen immer schwarz und weiß, um seine Position zu verdeutlichen. Obwohl er manche Meinungsverschiedenheiten mit Erbakan hatte, gab er den Feinden Erbakans als der Erste eine Antwort, um ihn zu beschützen.

Kurz vor seinem Tod wurde „Üstad“ Necip Fazil auf ein weiteres mit der Haftstrafe konfrontiert. Als er seiner Frau davon Bescheid gab, machte er einen unwilligen Eindruck. Seine Frau sagte daraufhin: „du bist für deine Sache schon so oft dort gewesen. Nun geh schon.“

… wir haben ein Loch geschaffen in der Festung; heilig wie es nur geht!

Oh du verdammter Wind; du kannst nun wehen wie du willst!

(aus Necip Fazil Kisakürek’s „Ansprache an die Jugend“)

– Behzad Aydin